Bewusstsein - Reichweite und Grenzen naturwissenschaftlicher Erklärung

  • Nach einem kurzen Resümee über entscheidungstheoretisch begründete Grenzen einer rein naturwissenschaftlichen Theorie menschlichen Bewusstseins werden Implikationen für unser Menschenbild erörtert. Was die Willensfreiheit angeht, so sprechen starke erkenntnistheoretische Gründe dagegen, dass der Wille Anderer durch Analyse von Außen vollständig erschließbar sein könnte; was aber für niemanden determiniert ist, ist nicht determiniert. Für die Evolution mentaler Fähigkeiten, die den biologisch modernen Menschentyp charakterisieren, könnten auch einzelne, eher seltene Neukombinationen von Abschnitten im Genom eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die entwickelten Fähigkeiten und Eigenschaften führten dann weit über den Anlass ihrer Entstehung hinaus. Hinsichtlich der menschlichen Erkenntnisfähigkeit ist die grundsätzliche philosophische Frage, ob und wieweit es eine Ordnung der Welt lediglich als Konstrukte unserer Gehirne, oder aber auch vor und ohne uns gibt, rein neurobiologisch sicher nicht zu entscheiden. Dies betrifft zum Beispiel das Grundverständnis der Mathematik, aber auch das von Religion. Naturwissenschaften insgesamt und ihre wissenschaftlich begründeten Grenzen sind mit verschiedenen, natürlich nicht mit allen philosophischen, kulturellen und religiösen Deutungen vereinbar.

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Metadaten
Author:Alfred Gierer
URN:urn:nbn:de:kobv:b4-opus-22962
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2012/10/01
Release Date:2012/10/01
GND Keyword:Anthropologie; Bewusstsein; Religionsphilosophie; Willensfreiheit; Psychophysik
Source:Ganten, Detlev / Gerhardt, Volker / Nida-Rümelin, Julian (Hrsg.): Funktionen des Bewusstseins (Humanprojekt ; 2). Berlin, S. 267-282
Institutes:BBAW / Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Funktionen des Bewusstseins
Dewey Decimal Classification:1 Philosophie und Psychologie / 10 Philosophie / 100 Philosophie und Psychologie